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Momentaufnahme, 3.12.'06

Papier, Papier, rief der Weihnachtsmann und sprang in den Fluß! Das Leben ist zu krotesk um Worte dafür zu finden. Worte leben, sie werden geboren und wachsen, so wie die Zeit wächst, ändern sich, so wie die Zeiten sich ändern und werden von der Bekanntschaft eines jeden Lesers geprägt.

Sonntagabend. Ich sitze tief in meinem weichen Kinosessel vergraben und wische mir die letzten Tränen aus den Augen, bevor das Licht angeht und der Kinosahl gesäubert wird. Gesäubert von sentimentalen Menschen, die allein mit ihren Gedanken den Nachspann an sich vorbeiziehen lassen - und dem Müll. Die Szenen schieben sich noch einmal vor mein inneres Auge. Klar sehe ich das Morden, die Schändungen von Frauen durch Soldaten, den Verrat. Ich schlucke, zeichne mein Gesicht neu - eines ohne Tränen eben - und verlasse den Raum, in dem das Licht lebendig zu werden scheint. Die Schatten der Bilder huschen nach mir aus der Tür. Französische Revolution. Eine Verrückte. Vergangenheit? Meine Schritte bewegen sich die Treppe hinab. Gegenwart! schreit es in meinen Gedanken. Täglich das selbe. Mal hier, mal dort. Menschen vergessen sehr schnell. Helden verblassen und nur noch ihre Geschichten erzählen vom einstigen Ruhm, der die Welt ein wenig heller machte. Was nützt es ein Held zu sein, wenn am nächsten Tag untergegangen ist, was man zuvor rettete? Ich laufe den Koridor entlang und das grelle Licht blendet mich. Als ich nach draußen trete überrascht mich der Regen. Leicht berührt er meine Haut, wie um zu sagen du weinst nicht allein um diese Erde. Der Wind versucht mich spielerisch davonzutragen, fährt mir durch das Haar. Komm mit mir flüstert er. Lass los. Ich laufe weiter. Zwischen dunklen Weihnachtsmarktbuden entlang. Der Duft des Tages hängt noch in den Ritzen und Papier jagt auf der Straße dem Leben nach. Ich haste in eine schmale Gasse und für einige Sekunden bleibt mein Blick an einem alten Haus hängen. Mittelalter oder so. Wenn Häuser sprechen könnten, würden sie ihren Spott mit uns treiben lacht eine Stimme höhnisch in mir auf und ich komme mir beobachtet vor. Ich schwinge mich auf mein Rad und fahre davon. Feige fliehe ich um zu überleben.
21.12.06 01:49
 


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